Anschluss verpasst?

Es wäre nicht der erste Bereich in dem die deutsche Wirtschaft den Anschluss verpasst. Auch wenn das Thema Industrie 4.0 zwar die Runde macht, bleibt die Verzahnung von klassischer Produktion mit Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) im Zuge der Digitalisierung im internationalen Wettbewerb eine Baustelle in Deutschland.

Denn laut den Ergebnissen einer IKT-Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim, zur Verbreitung und Nutzung von IKT unter rund 4.500 Unternehmen in Deutschland, ist insgesamt nur 18 Prozent der Unternehmen der Begriff „Industrie 4.0“ überhaupt geläufig. Zudem haben lediglich vier Prozent der Unternehmen digitalisierte und vernetzte Produktionsprozesse bereits in die Praxis umgesetzt oder planen damit in naher Zukunft zu beginnen.

Weitere zentrale Ergebnisse der IKT-Umfrage:

  • Cloud Computing wird äußerst heterogen über diverse Branchen hinweg eingesetzt und von insgesamt 20 Prozent der Unternehmen genutzt
  • Datensicherheit ist für insgesamt 78 Prozent der Unternehmen bei der Nutzung von Cloud Computing ein Risikofaktor
  • Schnelles Internet nutzen insgesamt 25 Prozent der Unternehmen mit einem Anschluss von mindestens 50 Mbit pro Sekunde
  • Mobile internetfähige Endgeräte ergänzen immer mehr die konventionelle Arbeit an einem festen Rechner
  • Homeoffice bieten zwar insgesamt 46 Prozent der Unternehmen an, wird aber nur von insgesamt acht Prozent der Beschäftigten genutzt
  • Erreichbarkeit außerhalb regulärer Arbeitszeiten erwarten mehr als die Hälfte der Unternehmen zumindest von einem Teil ihrer Beschäftigten
  • Big Data–Analyse, die Auswertung großer Datenmengen aus unterschiedlichen Quellen in Echtzeit, wird von insgesamt 18 Prozent der Unternehmen eingesetzt, vor allem im Finanzsektor und in großen Unternehmen
  • Social-Media-Anwendungen wie Online-Netzwerke, Kurznachrichtendienste oder Blogs nutzen insgesamt 44 Prozent der Unternehmen

Zu einem ähnlich niederschmetternden Ergebnis kam auch eine Umfrage im Auftrag des Digitalverbands BITKOM. Demnach sagen die Führungskräfte von gut jedem dritten Unternehmen (32 Prozent) aus der Automobilbranche, dem Maschinenbau, der chemischen Industrie sowie der Elektroindustrie, dass sie bislang noch nichts über Industrie 4.0 gehört oder gelesen haben. Befragt wurden je Branche 100 Unternehmen mit mindestens 100 Mitarbeitern.

„Angesichts der hohen Bedeutung von Industrie 4.0 macht dieses Ergebnis nachdenklich“, so Winfried Holz, Mitglied des BITKOM-Präsidiums. „Die Zukunft der einzelnen Branchen und des Wirtschaftsstandorts Deutschland hängt entscheidend davon ab, wie zügig und gut es gelingt, die klassische Produktion zu digitalisieren und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Wer sich jetzt nicht mit dem Thema auseinandersetzt, könnte den Anschluss verpassen.“

Weitere Infos unter www.zew.de und unter www.bitkom.org