DSL-Geschwindigkeit zu gering: Sonderkündigung möglich?

Immer wieder werben die Anbieter mit unglaublichen Zahlen. Doch die Zahlen sollten nicht im Vordergrund stehen – vielmehr handelt es sich um die zwei Worte "bis zu", die vor der Geschwindigkeit von 16.000 kbit/s zu finden sind. Das bedeutet, dass der Kunde nicht "mit 16.000 kbit/s" surft, sondern eine Geschwindigkeit "bis zu 16.000 kbit/s" erreichen kann. Der Anbieter garantiert somit nicht die maximale Übertragungsrate.

Die Leistungen, die dem Kunden tatsächlich angeboten werden, befinden sich im Vertrag und nicht auf der Werbetafel. Aus diesem Grund ist es extrem wichtig, dass im Vorfeld die verschiedenen Vertragsdetails geprüft werden, bevor man eine Kündigung anstrebt. Ist eine zu geringe DSL-Geschwindigkeit aber tatsächlich ein Grund, damit der Kunde vom Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen kann?

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Verbraucher müssen auf die Vertragsdetails achten und nicht auf die Werbung vertrauen

Jede Kündigung setzt natürlich voraus, dass der Anbieter gegen diverse vertragliche Bestimmungen verstößt. Aus diesem Grund muss der Kunde im Vorfeld überprüfen, welche Leistungen im Vertrag festgehalten wurden. Dabei ist natürlich auch das "Kleingedruckte" entscheidend.

In vielen Verträgen findet sich etwa die Klausel "Drosselvorbehalt". Der Anbieter kann also die DSL-Geschwindigkeit drosseln, wenn der Kunde sein Downloadvolumen (findet sich ebenfalls im Vertrag) überschritten hat. Ist die DSL-Geschwindigkeit aber schon am Monatsersten weit weg von den versprochenen "16.000 kbit/s", sollte natürlich auch die Kapazität der eigenen Übertragungsleitung geprüft werden.

Des Weiteren können Anbieter auch auf eine "durchschnittliche Geschwindigkeit" verweisen oder garantieren nur dann eine DSL-Geschwindigkeit von "bis zu 16.000 kbit/s", wenn diverse Voraussetzungen (spezieller Router und dergleichen) erfüllt werden.

Spätestens dann, wenn alle Faktoren überprüft wurden und der Kunde der Meinung ist, dass eine höhere Geschwindigkeit problemlos möglich sein kann, hätte er mitunter das Recht auf eine Sonderkündigung.

Ist eine zu geringe DSL-Geschwindigkeit ein Kündigungsgrund?

Die DSL-Übertragungsraten liegen in der Regel bei 1.000 kbit/s, 2.000 kbit/s, 6.000 kbit/s und (den oft beworbenen) 16.000 kbit/s. Ergibt die Prüfung, dass der Kunde mit einer DSL-Geschwindigkeit zwischen 3.000 kbit/s und 5.000 kbit/s surft, wobei er sich für den 16.000 kbit/s-Tarif entschieden hat, kann er sehr wohl seinen Vertrag – im Rahmen der Sonderkündigung – vorzeitig beenden. Schlussendlich bezahlt der Kunde den teuersten Tarif, befindet sich aber weit unter der versprochenen Leistung.

Lange Zeit gab es nur die Empfehlungen der Verbraucherschützer, dass der Kunde die DSL-Geschwindigkeit prüfen und mitunter Kontakt mit dem Vertragspartner aufnehmen soll. Seit geraumer Zeit befassen sich auch immer wieder die Gerichte mit den beworbenen und tatsächlich gebotenen DSL-Geschwindigkeiten.

Auch die Gerichte befassen sich mit der Thematik

Das Amtsgericht München bestätigte die Sonderkündigung eines Kunden, dem eine Geschwindigkeit "von bis zu 18.000 kbit/s" versprochen wurde, jedoch durchschnittlich mit 5.000 kbit/s bis maximal 7.000 kbit/s surfte (Az.: 223 C 20760/14). Die Kündigung wurde vom Anbieter – mit Verweis auf die ABG – zurückgewiesen, sodass der Kunde das Amtsgericht München kontaktierte. In weiterer Folge stellte das Gericht fest, dass der Kunde es nicht hinnehmen muss, wenn die Geschwindigkeit dauerhaft um "60 bis sogar 70 Prozent" unterschritten wird.

Weitere Infos unter sepastop.eu